Sprechen in Mariabrunn über „Kunst und Architektur (von links): Architekt Markus Müller, Diether F. Domes, Stefan Feucht und Bürgermeister Markus Spieth. FOTO: HELMUT VOITH

„Architektur ist ein Prozess“
 
Drittes Ateliergespräch bei Diether F. Domes kreist um „Kunst und Architektur“
 
ERISKIRCH - Zum dritten Ateliergespräch hat Diether F. Domes am Donnerstagabend in sein Atelier in Mariabrunn eingeladen. Rund 30 Interessierte hat das Thema „Kunst und Architektur“ angelockt, darunter auch eine Reihe von Architekten.
Fragen zu Wahrnehmung, Voraussetzungen und visionärem Anspruch von Architektur hatte Domes in seiner Einladung angesprochen. Weitere Fragen warf Eriskirchs Bürgermeister Markus Spieth in seiner Begrüßung in den Raum: „Sind Architekten Künstler? Sind sie reine Handwerker? Ist Architektur überhaupt Kunst?“ Spieth sprach auch ganz konkrete Punkte an wie Baurecht, Eigentumsrecht, Denkmalschutz oder Nachbarschutz, denen er Rechnung tragen muss: „Für eine Kommune reicht’s nicht, irgendwas irgendwohin zu stellen.“ Fragen und Aspekte, die in der Folge keineswegs ausdiskutiert geschweige denn beantwortet werden konnten.
Entschuldigt waren Katrin Seglitz und Lothar Plachetka, so blieben Markus Müller, Vorsitzender der Kammergruppe Bodenseekreis der Architektenkammer Baden-Württemberg, und Dr. Stefan Feucht, der Leiter des Kulturamts Bodenseekreis, allein mit dem Gastgeber am Gesprächstisch und es blieb in der Hauptsache Markus Müller überlassen, aus seiner Sicht heraus Fragen zur Architektur aufzugreifen. Feucht war bei der Diskussion um den Preis für beispielhaftes Bauen das wiederkehrende Schlagwort „konsequent“ aufgefallen und er fragte: „Ist Konsequenz eine Qualität?“ Müller beschrieb sie als Verarbeiten unterschiedlicher Facetten: „Architektur ist grundsätzlich integrativ, nicht die Summe der Handwerksleistungen“ und „Architektur ist immer nur eine Annäherung an viele Fragen. Sie muss Komplexität bewältigen, sich den Fragen der Zeit stellen, gesellschaftliche Herausforderungen lösen.“ Extrem unterschiedlich seien die Ansätze je nach Menschenbild. Während die Hochglanzbildbände nur die Flaggschiffe zeigen, sieht der Alltag des Architekten anders aus. Er muss in der heutigen Pluralität seinen Weg finden, muss die Wünsche und Vorstellungen der Bauherrn erfassen und umsetzen, was zum Problem wird, wenn dieser als Investor nur die Rentabilität im Auge hat, während der Architekt Umfeld, städtebauliche Aspekte wie auch Ressourcenverbrauch berücksichtigen will. Da müsse man auch mal den Mut haben, Dinge beim Namen zu nennen und durchzusetzen.
Keineswegs dürfe Architektur ideologisch sein, kein formales Diktat durchpeitschen – man könne Menschen nicht in eine Architektur zwingen, sondern müsse dafür sorgen, dass sie sich darin wohlfühlen. Angesprochen wurde das Spannungsfeld zwischen Verrechtlichung und Baukultur. „Demokratur wäre bei der Stadtplanung ünschenswert“, sagte dazu Spieth. Zuerst als Fachmann die bestmögliche Lösung zu suchen und dann erst in der Diskussion mit allen Beteiligten den Konsens zu suchen, sah Markus Müller als sinnvollen Weg. „Architektur ist ein Prozess“, fasste Domes zusammen.
 
Von Christel Voith
In Schwäbische Zeitung
Datum 19. Oktober 2013