Über Formfindung
 
 
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Die Genese der Form
Überlegungen zum Weltverständnis von Architektur
 
 
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
 
herzlichen Dank für die Einladung, einen Vortrag über „Die Genese der Form - Überlegungen zum Weltverständnis von Architektur“ zu halten.
 
Der Rahmen ist ambitioniert, der Titel ist es auch. Die Frage nach der „Form“ wird fälschlich mit der Frage nach dem „Stil“ gleichgesetzt und ist eines der vielschichtigsten Themen der Gestaltung.
Der Zusammenhang von „Form“ und Wahrnehmung ist der Schlüssel zum Verständnis architektonischer Ansätze. Er bildet die Grundlage jeder Entwurfslehre.
 
Der Diplomat und Architekt Hermann Muthesius, Vordenker der Gartenstadt-Bewegung in Deutschland, hat um 1900 festgestellt, das Wort „Stil“ mache vergessen, dass „Stil“ nur die äußerste Schale bedeute und nicht zum Wesentlichen durchdringe. „Form“ dagegen beansprucht, dem Wesen einer Sache gemäß zu sein.
 
Darüber möchte ich heute Abend einige Überlegungen vortragen.
 
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Ich werde in wenigen abstrakten Punkten die Gedanken sortieren. Denn über den – legitimen - subjektiven Zugang zu ästhetischen Fragen hinaus müssen objektive Kriterien der Gestaltungsqualität benannt werden.
 
Im zweiten Schritt möchte ich die faszinierende Vielfalt formaler Ansätze mit einigen gebauten Beispielen vorstellen.
 
Zuletzt werde ich die Frage stellen, welche konkreten Positionen die Architektur im Bodenseeraum unter den Bedingungen der Gegenwart beziehen könnte.
 
 
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Zum Ersten
Form - eine erste Annäherung
 
Zunächst muss gefragt werden: was als „Form“ überhaupt wahrgenommen wird: die Oberfläche eines in sich geschlossenen Objekts.
Nehmen Sie die Form des menschlichen Körpers. Die Hüllform ist das äußerste eines enorm komplexen Systems. Die Form umhüllt diese und hat idealer Weise eine eigene Funktionalität. Sie bildet die Schnittstelle zwischen einem Objekt und seiner Umwelt. Sie hat unter vielfältigen Aspekten eine zutiefst kommunikative und Bewusstseinsprägende Funktion.
 
Der Antagonist der „Form“ ist der „Raum“. Während die Form solitär betrachtet werden kann, entsteht eine räumliche Wirkung aus dem Zusammenspiel einer oder mehrer räumlicher Umhüllungen.
Eine räumliche Wirkung kann aber auch als die „Innenwelt“ der Form hergeleitet werden. Die Architekturtradition Österreichs ist etwa stark vom „Raumplan“-Konzept des Wiener Architekten Adolf Loos geprägt, der seine Projekte konsequent aus einer innenräumlich gedachten Abfolge von Kuben entwickelte. Der Expressionismus hat diese Logik zum Kunstprinzip erhoben.
 
Seit der Renaissance war die Geschlossenheit der Wahrnehmung ein wesentliches Element der Kunst. Die „Auflösung der Form“ dagegen ist ein Motiv der klassischen Moderne. Nehmen Sie beispielhaft die „Proune“ von El Lissitzky für die Malerei und den Barcelona Pavillon, von Mies van der Rohe zur Weltausstellung 1922 errichtet, in der Architektur. Die Gesamtform entsteht nur durch die Addition von Flächen und Linien, bildet jedoch kein autonomes Gestalt-Subjekt. Die „Strukturalisten“ haben in den späten Sechziger Jahren Gebäude als Addition von zahllosen Einzelkuben entwickelt, die am Ende als wahre Haus-Amöben wirkten. So das „Centraal-Beheer-Verwaltungsgebäude in Rotterdam von Hermann Herzberger oder das Habitat-Projekt von Moshe Safdi 1969 in Montreal.
 
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Wirkung von Formen
 
In der Architektur haben wir die Fliehkräfte der Komplexität zu bündeln und in eine Form zu gießen, die möglichst viele Facetten der Nutzung verarbeitet. Die Schwierigkeit qualitätvoller Gestaltung besteht darin, alle Aspekte eines Systems adäquat zu verarbeiten und schlussendlich dem Gestaltbildenden Aspekt eine dominante Rolle zuzuweisen. Weil Architektur die Form als „Benutzeroberfläche“ eines Objekts gestaltet, muss sie sich über die Wirkungsweise von Formen im Klaren sein.
 
Präsenz
Ob ein Gebäude wahrgenommen wird oder sich in seinen Kontext integriert, hängt wesentlich von seiner Form ab. Beispiel aus Friedrichshafen: Schlosskirche und Moleturm werden vom See her wahrgenommen, das Graf-Zeppelin-Haus weniger. Formgebung ist in der Architektur ein wesentliches Mittel der Akzentuierung.
 
Nachvollziehbarkeit
Anhand formaler Kriterien lassen sich Funktionen eines Objekts herleiten und erklären. Architektonisch gesprochen: eine Bank sollte tunlichst anders aussehen als ein Kindergarten, ein Cafe sich tendenziell von einer Kirche unterscheiden. Die Unterstellung, dies sei selbstverständlich, trifft nicht zu: Form kann sich auch unabhängig vom Inhalt entwickeln.
Während der Industrialisierung wurden profane Bauten häufig mit „poetischen“ Themen angereichert. Bahnhöfe wurden historischen Burgen, Schlössern und Kathedralen nachgebildet. Beispielhaft für die klassische Moderne hat Mies van der Rohe ein Projekt für die Firmenzentrale von Bacardi auf Kuba nach der dortigen Revolution als Nationalgalerie in Berlin realisiert.
 
Orientierung
Der Wiener Stadtbaumeister Camillo Sitte hat in seinen Werken ausführlich die Bedeutung von Horizontalen und Vertikalen in der Gestaltung öffentlicher Plätze beschrieben. Nicht zu vernachlässigen ist die unterschwellige Orientierung die sich daraus ableiten lässt.
 
Stimmung
Das Beispiel von konkaven und konvexen Formen veranschaulicht das Abwenden und Öffnen von Formen – die Kugel ist in sich abgeschlossen, ein Flügelbau öffnet sich in der Mitte. Auskragende Bauteile wirken bisweilen labil und bedrohlich. Ein Zeltdach dagegen wirkt durch seine wiederkehrende Wölbung beschwingt.
 
 
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Analyse
Die Elemente der Form
 
Ein rein analytischer Zugang zur Frage formaler Qualität beschäftigt sich mit der Verarbeitung von Komplexität. Beständige Formen zeigen diese Vielschichtigkeit, ohne konfus zu wirken. Wenn wir das Ganze zum Zweck der Analyse in seine Teile zerlegen, können wir folgende Ebenen diskutieren:
 
Funktion
Erfüllungsgrad der funktionalen Aufgabe, Eigenlogik der Funktion, Dauerhaftigkeit
 
Umfeld
Landschaftlich-regionale Einflüsse, städtebaulicher Kontext
 
Raum + Inszenierung
Wegeführung, Räumliche Wirkung
 
Ökonomie
Angemessenheit, Wirtschaftlichkeit, Konfliktpotential
 
Konstruktion 
Klarheit + Innovationsgrad, Materialgerechtigkeit, Handwerkliche Qualität
 
Skulptur
Maßstab + Proportion, Farbklang,
Gestalterfindung oder Zitat – skulpturale Wirkung, Körperhaftigkeit
Relief/Textur, Licht
 
Historischer Kontext
Der zeitliche Zusammenhang zu gesellschaftlichen Problemanlagen oder hinsichtlich der technischen Möglichkeiten.
 
Semantischer Kontext.
Der geistesgeschichtliche Standort.
Gemeinhin werden ideologische Hintergründe unterschätzt, die in der Inszenierung von Wegführungen, in Über- und Unterordnung ihren Ausdruck finden.
 
Allgemeingültigkeit
 
 
 
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Zweitens
Formfindung – der Fundus der Vielfalt
Einige Beispiele
 
Diese analytische Herleitung eröffnet unzählige Kombinations- und Interpretationsmöglichkeiten. Wie es in einem Projekt zur konkreten Formentscheidung kommt, bleibt aber dem gestalterischen Prozess vorbehalten. Es macht deshalb Sinn, für jede Betrachtungsebene den Fragen nachzuspüren, die im kreativen Prozess beantwortet wurden.
 
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Funktion
Walter Gropius definierte die Aufgabe der Wohnung als „Ration Fläche, Wärme und Licht“. Ludwig Hilbersheimer entwickelte die städtebaulichen Vorlagen. In dieser Logik entstanden die Wohnungsprojekte der Bauhaus-Tradition und der Großwohnungsbau bis in die siebziger Jahre.
Bereits Le Corbusier mit seinen Unites de habitation hat Wohnen eher als soziologisch-politisches Projekt begriffen.
 
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John Lautner, ein neu entdeckter amerikanischer Architekt der Nachkriegszeit, inszenierte Wohnen dagegen als sehr individuelles, futuristisches Erlebnis. Die Form bleibt gleichwohl funktional begründet.
 
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Funktionalität kann zu sehr poetischen Ergebnissen führen, wie die Dachkonstruktion der Fondation Beyeler in Basel von Renzo Piano verdeutlicht. Das funktionale Prinzip der Belichtung einer Gemäldesammlung mit Naturlicht prägt den gesamten Entwurf.
 
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Umfeld
Ganze Zeitalter von der Renaissance bis zur klassischen Moderne haben universale humanistische Werte definiert, die in eine globale Formensprache mündeten und demnach losgelöst von einem lokalen Umfeld Gültigkeit beanspruchten. Das „Centre Beaubourg“ in Paris von Renzo Piano und Richard Rogers war ein spätes Statement dieser Haltung.
 
Die Verankerung im Umfeld zwingt zu Modifikationen der reinen Form. Colin Rowe hat mit dem Konzept der „Collage City“ diese Erkenntnis zum Exzess getrieben. Das Lehrstück dieser Philosophie ist der Petersplatz in Rom, gleichsam aus dem Stadtkörper des alten Rom geschnitzt.
 
Wahr ist und für die Diskussion der „Form“ bedeutsam: über die Rechtfertigung für das „Absolute“ der Form ist immer dann zu diskutieren, wenn es um die Frage des Umganges mit dem Kontext geht – auf der einen Seite das a-historisch, ewig Gültige, auf der anderen Seite die Anonymität im Vorgegebenen.
 
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Umfeld bedeutet häufig schlicht „Landschaft“: früher wurde sie schlicht als Lebensraum wahrgenommen, wir sehen sie heute als knappes Gut. Beispiele für die viruose Adaption der Landschaft haben wir am Bodensee zuhauf: die barocken Bauten wie Birnau, Mainau und viele mehr, aber auch im Schussental. Bringen Sie die Lage von Kapelle Berg, Schloss Tettnang, Basilika Weingarten und Kloster Kellenried in einen Zusammenhang – sie spannen Blickbeziehungen über das Schussental hinweg. Ich zeige begleitend eines der bekanntesten Beispiele von Frank Lloyd Wright für ein in die Landschaft eingebautes Haus – Waterfall House.
 
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Ein weiteres Beispiel stammt von der englischen Kanalküste. Das Büro Future Systems aus London hat einen alten Bunker als Ferienhaus revitalisiert.
 
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Raum + Inszenierung
Architektur war immer auch ein Mittel der Inszenierung. Der Weg von der Stadt Athen hinauf zur Akropolis ist die klassische Inszenierung des Weges hinauf zu den Göttern. Sie kennen die Szenerie von Militärparaden. Wolfgang Pehnt berichtet in seinem jüngst erschienenen Standardwerk „Deutsche Architektur seit 1900“ dass unter dem Protektorat der Kaiserin Auguste Victoria „um des optischen Effekts willen in Berlin Sakralbauten auf die Schnittstellen größerer Blickachsen platziert“ wurden. Dies galt für die Protestanten, während sich Katholiken mit Gotteshäusern zu begnügen hatten, die in die Straßenfluchten eingebaut wurden.
 
Ein Architekturbeispiel für die Formfindung demokratischer Architektur ist die Berliner Philharmonie von Hans Scharoun. Scharoun, der mit knapper Not die Nazi-Zeit überlebt hatte, war mit seinen Ideen von gigantischen „Stadtlandschaften“ berühmt geworden, die Stadt und Landschaft miteinander versöhnen sollten. Gebaut wurde das Kulturforum. Das Projekt war Nachläufer der Diskussion über die Mitte der Stadt, die „Stadtkrone“, die von Bruno Taut in den zwanziger Jahren angestoßen worden war. Scharoun hat sie in dem Konzertsaal der Philharmonie als eine tektonische Senke interpretiert, in der sich die Menschen um die Musik versammeln. Das Orchester ist in der Mitte platziert, die Ränge entwickeln sich hierarchiefrei um diese Mitte herum.
 
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Ökonomie
Die Ökonomisierung des Lebens ist wohl das prägende Motiv unserer Tage. So ziemlich alles an Ideen wird heutzutage durch das engmaschige Sieb der Betriebswirtschaft gepresst. Die Frage der Wirtschaftlichkeit hat zweifellos die Architektur des zwanzigsten Jahrhunderts die entscheidenden Impulse gegeben. Wirtschaftliches Bauen hat eindeutig eine soziale Dimension.
 
Ökonomie kann sich gestalterisch aber auch im Begriff der Reduktion widerspiegeln: „Less is more“. Bis heute zeigen Büros in einer experimentellen Sprache, was mit unterschiedlichen Baustoffen technisch möglich ist. Ich zeige ein Beispiel des holländischen Büros Benthem+Crouwel.
 
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Konstruktion 
Ein wesentlicher Aspekt der Ökonomie ist die Angemessenheit der Konstruktion. Als Kind der „Stuttgarter Schule“ durfte ich noch Vorlesungen bei einem ganz eigenen Denker der Konstruktionslehre hören, der dem Institut für leichte Flächentragwerke vorstand: Frei Otto. Er erfand buchstäblich die Zeltdach-Konstruktionen, deren erste er mit dem Gründer des Büros realisierte, in dem ich meine ersten Sporen als Architekt verdiente, mit Rolf Gutbrod.
 
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Mit einer überraschend innovativen Konstruktion ist eine der schönsten Wallfahrtskirchen der Welt im französischen Ronchamp von Le Corbusier gebaut, eine Betonschalen-Konstruktion, die ein mehrfach geschwungenes Kirchenschiff überspannt.
 
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Skulptur
Architekten werden gelegentlich als Künstler bezeichnet. Eine eigene Qualität hat die skulpturale Bearbeitung architektonischer Formen allemal. Sie in der öffentlichen Debatte zu bewerten ist schwierig, sie gehört aber zum kulturellen Beitrag der Architektur in unserer Gesellschaft.
 
Am ehesten stößt Expressivität bei Bautypen auf Akzeptanz, die ohnehin dem kulturellen Bereich zugeordnet werden: den Museen. Zwei Beispiele der Guggenheim-Foundation verdeutlichen, dass die skulpturale Kraft von Architektur nicht erst seit heute enorme Marketing-Qualitäten birgt: das Guggenheim-Museum in New York von Frank Lloyd Wright und das neuere Guggenheim-Museum in Bilbao von Frank Gehry
 
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Historischer Kontext
Architektonische Formen sind Kinder ihrer Zeit. Architektur ist Moden unterworfen.
Viel wichtiger sind aber die gesellschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Entstehung von Architektur.
 
Die politische Wende des Jahres 1989 hat eine dramatische architektonische Re-Vitalisierung Berlins mit sich gebracht. Eine staunenswerte Vielfalt an Gebäuden ist in den letzten Jahren entstanden, die durch den Diskussionsprozess um die Bauregeln in Berlin eine formale Zwitterstellung auszeichnet. Ich zeige Ihnen die Zentrale der DZ-Bank von Frank Gehry am Pariser Platz. An diesem Gebäude sind zwei Grundansätze des Umgangs mit dem historischen Kontext ablesbar: die Restauration des Überkommenen und der aktuelle, technisch und formal innovative Architekturbeitrag.
 
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Nur im historischen Kontext der Raumfahrt-Euphorie der sechziger Jahre sind die Projekte der britischen Gruppe archigram nachvollziehbar, die sich „walking cities“ und andere Science-Fiction-Architekturen ausgedacht haben.
 
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Semantischer Kontext.
Architektur ist Ausdruck der Geisteshaltung des Bauherrn und seiner Auftraggeber.
Sie kennen den Begriff der „Machtarchitektur“. Sakralgebäude sind ohne ihre theologische Bedeutung nicht erklärbar. Die Diskussion über die Rolle der „Demokratie als Bauherr“ hat die Architekturdebatte der Nachkriegszeit geprägt. In der Frage der Geisteshaltung verdichten sich die Überlegungen zu Konstruktion, Skulptur und Erscheinung. Hier wird deutlich, ob formale Überlegungen oberflächlich bleiben oder ob sie zum Wesen einer Aufgabe vordringen.
 
Deshalb eignet sich nach meiner Überzeugung die geradezu metaphysische Architektur eines Tadao Ando nicht als Designvorlage für die Flagship-Stores internationaler Mode-Konzerne. Sie verkörpert aber tief sitzende menschliche Bedürfnisse, die seine Gebäude zum Vorbild einer sehr humanen Architektur in modernen Zeiten werden lassen.
 
 
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Drittens
Bodenseearchitektur?
 
Damit bin ich fast am Ende uns bei der Frage, ob diese Überlegungen für die Architektur am nördlichen Bodenseeufer irgendeine Relevanz haben.
 
Beispiel Vorarlberg
Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den architektonischen und künstlerischen Wurzeln unserer Region wird vieles zutage fördern, mit dem wir an der architektonischen Identität weiter stricken könnten. Die Vorarlberger haben es uns vorgemacht. Seit Jahrzehnten werden die handwerklichen, von Ressourcenknappheit geprägten Traditionen modern interpretiert. Ich zeige Ihnen eine fünfzehn Jahre alte Produktionshalle von Architekt Hermann Kaufmann. Die Innovationskraft des österreichischen Rheintals findet in der zeitgemäßen Architektur ihren weithin sichtbaren Ausdruck.
 
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Bodensee!
Wir sind nicht Vorarlberg. Der Name Oberschwaben ist in der Kunst das Synonym für „Barock“.
Die Kleinteiligkeit der weltlichen und kirchlichen Herrschaften hat uns eine Vielzahl herausragender Bauten beschert – überschwänglich und prominent. Mein Schwiegervater Peter Draenert hat im letzten Jahr folgende Sätze geschrieben: „Der Bodenseeraum hat durch das Wunderbare der Lage, des Klimas, des gemäßigt Hügellandschaftlichen, Abwechslungsreichen die allerschönsten Voraussetzungen für ein Leben und Wohnen wie im Paradies. Man kann mit den Hügeln, mit den Gärten und Parks operieren, mit dem Klima. Mit dem berühmten Licht, welches sich an den Alpen staut und wundersam warm und farbenreich reflektiert wird“. Die Vorarlberger, die Schweizer sehen das alles nicht!
Unsere Region war immer für Prägungen von außen offen: es ist genau abzulesen, wo die Römer aktiv waren und wo nicht. Der Barock ist ja nicht oberschwäbisch, sondern italienisch. Die Ravensburger unterhielten weit gespannte Handelsnetze.
Wir sind eine Technologieregion. Uns geht es nach allen Rankings weit besser als den meisten anderen Deutschen. Die Firmen sind weltweit aktiv, vernetzt und erfolgreich.
 
Architektonische Qualität ist Ausdruck für das kulturelle Selbstverständnis einer Gesellschaft. Die Bodenseeregion ist nach meinem Erleben dabei, eine Wertschätzung für die eigenen Qualitäten zu entdecken. Der Bodenseeraum liegt zwar abseits der großen Zentren, er ist aber weit davon entfernt, Provinz zu sein. Dennoch: im „kollektiven Privaten“ dieser Region pflegen wir eine ausgeprägte Beschaulichkeit. Aus diesem Spannungsfeld kann sich eine spezifische Architektur entwickeln, die von äußeren Einflüssen nicht unbeeinflusst ist, aber regional verwurzelt bleibt.
 
Es wäre gut, wenn die wirtschaftlichen, geistigen und politischen Eliten des Bodenseeraumes die Chance, die Architektur in diesem Sinne bietet, stärker nutzen würden. Es täte uns allen gut.
 
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit