# Pläne

Gemeindezentrum Ailingen, gewonnener Wettbewerb
 
In reizvoller Lage am Ortseingang eines Friedrichshafener Teilortes stellt das katholische Gemeindehaus einen verbindenden Baustein zwischen historischem Pfarrhaus und der ungünstig gelegenen Pfarrkirche zur Ortsmitte dar. Die orthogonale Stellung des Gemeindehauses zur Kirche macht das Kirchenareal als Einheit erlebbar. Sie bindet das Ensemble städtebaulich an und generiert in diesem unterschiedlichste Qualitäten. Diese innere Struktur wird durch zwei topographisch differenzierte Plätze verstärkt.
 
Der extrovertierte Gemeindeplatz liegt auf dem Straßenniveau und wendet sich der Ortsmitte zu. Er ist das erweiterte Foyer des Gemeindehauses, zugleich aber auch öffentlicher Durchgangsbereich und Festplatz. Der Kirchplatz liegt ein Geschoss tiefer auf dem Niveau der Kirche. Er ist als Sammlungsraum vor und nach den Gottesdiensten durch Pfarrhaus, Kirche und das an dieser Stelle zweigeschossige Gemeindehaus introvertiert gefasst.
 
Eine semantische Doppeldeutigkeit („Die Kirche ins Dorf holen“) prägt den Entwurfsansatz des Gemeindehauses. Das Gebäude ist pavillonartig, erkennbar bescheiden als Rahmen für die kirchliche Gemeindearbeit an einem besonderen, „entrückten“ Ort formuliert. Das Haus strukturiert, engt aber nicht ein, es zeigt Präsenz, verstellt jedoch nicht den Blick auf die Kirche.
 
Das Gemeindehaus formuliert bewusst seine Zugänglichkeit. Die verschiedenen Formen der Hinwendung zur Kirche sind inszeniert: das mit dem abfallenden Gelände auf die Kirche Zuschreiten, entlang der Friedhofsmauer in einem Hohlweg bergauf Wandern, der „Schwatz“ nach dem Gottesdienst, die jedermann offene See-Terrasse.
 
In der Tradition kirchlicher Pastoralgebäude stehen die Verwendung natürlicher, handwerklich behandelter Materialien und die einfache, kraftvoll-expressive Konstruktion. Eine lässige Bescheidenheit soll Schwellen abbauen und die Bereitschaft zum Dialog signalisieren.
 
Landschaft: Die Inszenierung des fast barocken Ausblickes auf den Bodensee und die Alpen erzeugt einen landschaftlichen Kontext, der die Realität in eine intakte Umwelt einbettet und eine starke Identifikation mit der „Heimat“ herstellt. Dieser Ausblick wird auf den Plätzen und im Gemeindehaus voll wirksam. Die Verschneidung von Außen und Innen steht als moderne Interpretation des „Bauens auf dem Lande“. Auch hier entwickelt sich eine Mehrdeutigkeit des Hauses als tektonisch geprägte „Sondersituation der Landschaft“ - Anhöhe, Bellevue, Geländescholle.
 
 
Bauherr Katholische Kirchengemeinde Ailingen
Bauzeit 1998 - 2000
Fläche HNF 479 qm
Kosten 1.270.687 Euro
Kennwert Bauwerk 1.467 Euro/qm HNF
Besonderes Wettbewerbserfolg